Zurück zur Routine

Als ich letztes Jahr Deutschland verließ, war mein Plan die ersten paar Monate herumzureisen und dann in Sydney einen gut bezahlten und meinen Erfahrungen entsprechenden Job zu finden. Dass sich das Letztere aber als eine Herausforderung herausstellen würde, habe ich nicht erwartet. Vor dem Hintergund, dass ich lediglich ein befristetes Work & Holiday Visum habe und viele Firmen in Sydney lieber auf einheimische Arbeitskräfte zurückgreifen, waren die Jobaussichten in meinem Bereich nicht unbedingt die Besten.

29 Bewerbungen, unzählige TAnzugelefoninterviews, 7 persönliche Interviews und eine verbockte Case Study später, habe ich einen interessanten und gut bezahlten Job in einer renommierten australischen Bank ergattert.

Die vier Monate, die ich mit der Jobsuche verbracht habe, waren allerdings nicht immer einfach für mich. In dieser Zeit habe ich aber auch viel über mich selbst gelernt. Nämlich, dass ich mich ohne einen Job verloren und ein wenig wertlos fühle.

So dämlich es sich auch anhört, aber ich denke, dass sich die meisten Menschen über ihren Job definieren. Was sicherlich auch einer der Gründe war, warum ich mir nicht einfach einen Job in der Gastronomie oder einer Farm gesucht habe. Stattdessen saß ich völlig gefrustet in der Wohnung herum und habe meist vergebens auf positive Rückmeldungen gewartet.

In dieser Zeit habe ich festgestellt, dass ich die Routine vermisst habe. Ich habe vermisst, jeden Tag zur gleichen Zeit aufzustehen, jeden Morgen mit anderen arbeitenden Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, was dann auch mal heißt, in einem völlig überfüllten Bus zu stehen, Stunden vor dem PC zu verbringen, zu sinnlosen Meetings zu gehen und auch mal über banale Dinge, wie die Schriftfarbe in einer PowerPoint-Präsentation zu diskutieren.

Nach 4 Monaten war ich es Leid, von Freunden, Familienangehörigen und dem Barista um die Ecke, gefragt zu werden, ob es denn endlich etwas Neues bei mir gibt (obwohl sie es alle gut mit mir meinten). Ich hatte Angst verurteilt zu werden, als ich Leuten erzählte, dass ich arbeitslos bin. Ich fühlte mich ein wenig einsam, da die meisten Leute, die ich kennen gelernt habe, tagsüber arbeiteten. Kurzgefasst, ich habe es vermisst zu arbeiten!

Letzten Endes hat sich alles zum Positiven gewendet. Wie es mir mit meinem Job noch so nach Wochen ergeht und wo ich die Unterschiede zwischen australischer und deutscher Arbeitswelt sehe, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

 

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Posted in Job

3 thoughts on “Zurück zur Routine

  1. 4 Monate und 29 Bewerbungen, dass ist lächerlich! Ab 50 Bewerbungen oder 1 Jahr wird es interessant! Und sowas kann einem auch mit guter Ausbildung und guten Referenzen passieren. Wirklich 4 Monate ist auf dem heutigen Arbeitsmarkt, egal in welcher Branche, ein völliger Normalfall!

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